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Letzte Aktualisierung am 10.07.2017
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Burgruine Weißenstein
Der Burgzugang
Im Rahmen der Sanierung von Burg Weißenstein wurde im Jahre 1999 auch der  ehemalige Torbereich von der Steinwaldia Pullenreuth freigelegt.  Aufschlüsse über den  Verlauf des Zugangs konnte erst eine archäologische Ausgrabung bringen. Die  Dokumentation des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege war ein wichtiger  Grundstock zur Rekonstruktion des Burgzuganges und des Torhauses. Es wurden die Grundmauern eines kleinen Torhauses vor dem Zugang zum Burgfelsen  und drei in den Bereich des  Burggrabens eingestellte Pfeiler  aus Bruchsteinmauerwerk ange- troffen. Die etwa 1 m starken  und bis zu 3,50 m breiten Pfeiler  stehen untereinander in regel-  mäßigem Abstand von ca.  3,60m; allein die Distanz zu den  Grundmauern des Torhauses  beträgt nur 1,70 m. Der Zugang  zur Burg verlief also von Norden über eine hölzerne Brücke, die auf den Pfeilern auf lag.  Für die Ausführung der Brücke orientierte ich mich an alten Abbildungen entsprechender  Holzbrücken bzw. an Reprints alter Brückenkonstruktionen aus dem 17. Jahrhundert.   Das Kernstück dieser Anlage war das Torhaus, ein auf annähernd quadratischem  Grundriss von 4,20 x 4,50 m errichteter Massivbau. Der Aufbau kann nur spekulativ  anhand der Dokumentation des BLfD rekonstruiert werden. Hier nun die Ausführung des Denkmalamtes, auf dessen Grundlage ich eine Handskizze als Voraussetzung für meine 3D-Rekonstruktion erstellte. Die Untersuchung der  aufgefundenen Mauerreste und der archäologischen Schichten lieferte eine Vielzahl von  Informationen über die Sperreinrichtungen und den Torverschluss. Besonders die  Einrichtungen für die Zugbrücke zeugen von technischer Raffinesse: Diese konnte vor  dem Burgtor hochgezogen werden und bildete im hochgeklappten Zustand einen  zusätzlichen äußeren Türverschluss. Um den Reibungswiderstand so gering als möglich zu halten wurde die Zugbrücke auf dünnen eisernen Achsen gelagert, die in große  Steinblöcke gelagert waren. Dem großen Gewicht der etwa 2 m ausladenden und wohl  aus schweren Bohlen gezimmerten Brücke wurde ein Gegengewicht entgegengesetzt.  Dieses Gegengewicht schaffte man dadurch, dass die Brücke sich über  die Drehachse hinaus etwa einen Meter weit in das Innere des Torturmes  fortsetzte. Der in den Torturm einschlagende Teil der Brücke war wohl zu-  sätzlich mit großen Steinen beschwert, die unter der hölzernen Brücken-  konstruktion festgebunden waren. Beim Aufziehen der Brücke senkte sich  dieses Gegengewicht in eine “Unterfahrt”, die als 1 Meter tiefes Unter-  geschoss unter der Fahrebene archäologisch nachgewiesen ist. Einzelheiten des Zugmechanismus wie die Lage der Aufzugwinde und die  Führung der Ketten sind auf dem Weißenstein nicht mehr nachzu-  vollziehen, können aber von anderen Burganlagen abgeleitet werden. Es  ist davon auszugehen, dass die Brücke an Ketten hing, die durch  Mauerschlitze in das erste Obergeschoss des Torturms geführt wurden, wo sich die Winde befand. Das eigentliche Burgtor lag an der Rückseite des Torbaus, von den dessen Obergeschoss aus man eingedrungenen Angreifern nochmals schwer  zusetzen konnte. Die 2,20 m breite Toröffnung, unten durch die Radab-  weiser auf 1,90 m verschmälert, konnte durch Torflügel verschlossen wer-  den, deren Achse sich an der Ostseite an einem in den Boden einge-  lassenen Stein noch abzeichnet. Das Türscharnier bestand in sehr ur-  tümlicher Weise aus einem der Türe angearbeiteten Drehzapfen, der unten in einer aus dem Felsen gehauenen runden Vertiefung , einer “Pfanne”,  geführt wurde, oben von einer aus der Wand vorkragenden, durchbohrten Steinplatte.  An Abbildungen liegt außer einer Darstellung der Burg Weißenstein auf einer Karte des  Staatsarchives Prag, nichts vor. Hier werden keine Felsen dargestellt.  Man kann davon ausgehen, dass das ganz rechts abgebildete Gebäude  das Torhaus ist. Die dargestellte Ausrichtung seines Giebels etwa nach  Nordwesten entspricht dem Baubefund. Die Zeichnung zeigt ferner ein  Obergeschoss und das einfache Zeltdach des Torturmes. Während der  Giebel eine kleine Lichtöffnung aufweist, wird das darunter liegende  Geschoss durch zwei Fenster in der Ostwand belichtet. Freilich darf man  diese Baudetails nicht überbewerten, denn die Situation vor Ort lässt klar  erkennen, dass das Torhaus im Osten an den Felsen angelehnt war und  dort somit keine Fenster besessen haben kann. Trotzdem ist der historischen Darstellung eine gewisse, wenn auch  schematische Realitätswiedergabe nicht abzusprechen, denn sie stellt  jene Teile der Burg dar, die besonders auffällig waren, also  besonders hoch aufragten. Dies bezüglich ist zu überlegen,  ob das Torhaus trotz seiner geringen Innenfläche von nur  6qm im Erdgeschoss, nicht etwa zwei Obergeschosse  besaß, das erste zur Aufnahme des Zugbrücken-  mechanismus und ein zweites als Torwächterstube. Ein  Torwart und ein Torknecht sind 1559 archivalisch belegt, und zwar negativ als nicht mehr auf dem Weißenstein  anwesend. Bei den beengten “Wohn”-Verhältnissen in einer max. 7qm großen Stube, kann man dies dem Torwärter  nicht übelnehmen. Ein großer Teil des obigen Textes wurde aus dem Artikel “Der Burgzugang zu Weißenstein” aus dem Band 9 “Wir am Steinwald” von Dr. Silvia Codreanu-Windauer und Karl Schnieringer entnommen.
Zeichnung: BLfD Zeichnung: BLfD gezeichnet Franz Hoffmann Rekonstruktion Franz Hoffmann Foto: Franz Hoffmnn Foto: Franz Hoffmann Foto: Franz Hoffmann Rekonstruktion Franz Hoffmann Rekonstruktion Franz Hoffmann Ausschnitt STA-Prag Zeichnung: BLfD BLfD Rekonstruktion Franz Hoffmann