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Letzte Aktualisierung am 10.07.2017
Die Geschichte der Burgruine Weißenstein Die erste urkundliche Nachricht, die sich vom Weißenstein, oder besser gesagt von seinen Besitzern erhalten hat, stammt aus dem Jahr 1279. Am 21. März  dieses Jahres übergaben die Landgrafen Friedrich II. und Gebhard IV. von Leuchtenberg vier Höfe und die Mühle in dem bei Wernberg zwischen Weiden und  Nabburg, gelegenen Ort Köblitz dem Zisterzienserkloster Waldsassen. Zusammen mit mehreren Vertretern der Familie Nothaft erscheint ein “Wolff de  Wisstenstein” unter den Zeugen dieser Güterübertragung. Nach 1200 - ein genauer Zeitpunkt ließ sich bisher nicht definieren - erwarb Albrecht Nothaft (VI.)  erste Anteile des Weißensteins. Im Thronstreit zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem  Schönen von Österreich , hielt es Albrecht Nothaft (VI.) mit König Ludwigs Bruder, dem Pfalzgrafen  Rudolf, einem Parteigängers Friedrichs von Österreich. Infolgedessen wurde er in die kriegerischen  Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien hineingezogen. 1333 verlieh Ludwig der Bayer  seinem Sohn Albrecht Nothaft (XI.) alle kaiserlichen und vom Herzogtum Bayern herrührenden  Lehen, auch Halsgerichte und Jagdrechte, die vorher sein inzwischen verstorbener Vater besessen  hatte. Ausdrücklich heißt es dabei, daß er wegen “krieg, die sein vater gen vns gehabt hat”, keinen  Schaden haben solle. Vordem lag der Weißenstein in leuchtenbergischem Gebiet. 1283 veräußerte  Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg die Herrschaft Waldeck an Herzog Ludwig von Bayern. Im  folgenden Jahr übergab Landgraf Friedrich II. die Mannlehen, die er sich beim Verkauf der  Herrschaft Waldeck vorbehalten hatte, an den Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg, so dass die  Hohenzollern in den Besitz von Hoheitsrechten an der Burg Weißenstein kamen. Am 25. Juli 1339  erlaubte es Burggraf Johann II. von Nürnberg dem Albrecht (XI.), daß er “die vest Weissenstein  ...pauen und bessern mag und soll, wie er will”. Daraufhin wird wohl der großzügige  Erweiterungsbau des Weißensteins ausgeführt worden sein, der auch die östlich des Bergfrieds  gelegenen Felsgruppen in die Wohnbereiche und Befestigungsanlagen der Burg mit einbezog. Noch 1498 erinnerte sich Müller Stephan Habauß zu Trevesen an die Erzählung des alten  “Seghans” zu Thumsenreuth, welcher ihm berichtet hatte, “das der Nothaft an diesem Sloß annderst nit hab, dann den Stainhawffen, vnd die Rinckmauer ist nit  sein, vnd Ich gedenngk, das das geschloß erst ist gebawt worden, vnd ist vor nichts anderst  gewesn, dann ein plochwergk”. Nach Adalbert Busl bedeutet die Bezeichnung “Blochwerk” eine  Turmburg mit einem in Blockbau oder Fachwerk aufgeführten Obergeschoss. Damit beschrieb der  alte “Senghans” also die Gestalt des Bergfrieds und charakterisierte denselben als Keimzelle der  Burg Weißenstein. Die Ringmauer und das “geschoß” wurden - nach des “Senghans” Aussage -  erst später aufgeführt. Ein anderer Zeuge, Michel Polant zu Trevesen, berichtete von einer  Erzählung, die er vor Jahren aus dem Munde des damals wohl achtzigjährigen Caspar Rudel  gehört hatte, dieser habe gesagt, “das der Nothafft nit weitter am weyssenstain sollt haben, dann  ferre die trüpffen gee von dem schloß, vnd Ime sey durch bete Zugeben worden, als ferre man mit  einem beschlach hammer von der Mawern möge gewerffen, damit er einen Vorhofe gemachen  möge.” Auch hier wird der ursprünglich kleinere Umfang der Burg Weißenstein deutlich; der Vorhof  wurde erst später errichtet. Ob es sich dabei jedoch um den durch die Anlage der Ringmauer  gebildeten Zwinger oder um eine Befestigung jenseits des Grabens handelt, sei dahingestellt. Von  der Geschichte mit dem Beschlaghammer berichtete übrigens auch der Zeuge Conntz Sollich von  Mutschaberg. Um die zitierten Aussagen objektiv werten zu können, ist allerdings anzumerken,  dass sie durchwegs von Zeugen gemacht wurden, die vom Pfleger zu Waldeck, Oswalt von  Seckendorf, gegen Hans (IV.) Nothaft von Weißenstein aufgeboten worden waren.  1341 verkaufte schließlich Gebhard der Wolff von Thumsenreuth das letzte im Besitz seiner Familie  verbliebene Drittel des Weißensteins an Albrecht (XI.) Nothaft; damit war die gesamte Burg mit  dem ihr zugehörigen Besitz in seinen Händen vereint. Albrecht (XI.) Nothaft starb wohl 1372 oder  1373. Während seine beiden jüngeren Söhne Peter und Hans (II.) sich den Thiersteiner Besitz  teilten, erhielt deren älterer Bruder Albrecht (XII.) die Burg Weißenstein. Er begründete die  sogenannte Weißensteiner Linie der Familie Nothaft, welche die Herrschaft Weißenstein bis zu  ihrem Aussterben im Jahr 1718 besaß. Schon von Anfang an war die Burg Weißenstein nicht im Besitz einer einzigen Person; sie gehörte  dem Familienverband und jedes Familienmitglied hatte einen gewissen Anteil an der Burg und ihre  Besitzungen. Erinnern wir uns an jenen Gebhard Wolff von Thumsenreuth, der bis 1341 noch ein  Drittel am Weißenstein besaß, während seine leider nicht in Erscheinung tretenden Verwandten ihre Anteile bereits vorher an die Nothaft veräußert hatten.  Eine Burg auf deren verschiedenen Besitzern Wohnrechte und oft auch eigene Wohnbereiche  zugesprochen waren, wird als “Ganerbenburg” bezeichnet. 1464 waren Fritz und Gilg Nothaft  Besitzer des Weißensteins. Am 4. Juli des genannten Jahres schlossen diese einen sogenannten  Burgfriedensvertrag miteinander. Aus dieser Urkunde geht hervor, dass die Burg damals nur noch  sporadisch von der adeligen Herrschaft besucht wurde. Auf gemeinsame Kosten besoldete man  den als “Pfleger” bezeichneten Schlossverwalter sowie zwei Wächter, die sich ständig im Schloss  aufzuhalten hatten. Der Pfleger solle den beiden Burgherren zu jeder Tag- und Nachtzeit Einlass in  die Burg gewähren, wann sie das für notwendig erachten würden. Beide verpflichteten sich, “den  andern, dy tayl Im Schloß haben” keinen Schaden zuzufügen. Insbesondere solle keiner ohne des  andern Einwilligung einem “fursten oder vbergenossen” ein Öffnungsrecht einräumen, oder seinen  Teil veräußern. Bei äußeren Angriffen versprach man, sich gegenseitig Beistand zu leisten.  Streitigkeiten untereinander wolle man gütlich, durch ein von beiden Seiten zu bestimmendes  Schiedsgericht austragen lassen. Als Weißensteiner Pfleger sind bisher bekannt geworden: Um  1453 Hans Syeder, etwa 1464 bis 1474 Hans Grembler, 1474 bis um 1500 Lorenz Negber. Dass auch die Wernberger Linie der Familie Nothaft, die sich nach der bei Nabburg gelegenen Burg Wernberg benannte, Interesse am Mitbesitz des Weißensteins hatte, zeigt sich in einer Urkunde  vom 1. Januar 1471; Heinrich Nothaft von Wernberg hatte jeweils ein Viertel des Weißensteins von  seinen Vettern Fritz und Ulrich Nothaft vereinbarten in dreijährigem Wechsel für den Unterhalt und  die Besatzung der Burg Weißenstein aufzukommen, zudem erkannte Heinrich Nothaft von  Wernberg den 1464 geschlossenen Burgfriedensvertrag an und räumte Fritz Nothaft und seinen  Erben ein Vorkaufsrecht an seinem Teil am Weißenstein ein. Überhaupt solle der Weißenstein als  Ganerbenhaus beim männlichen Stamm der Familie Nothaft verbleiben und nicht als Heiratsgut oder Morgengabe verschrieben werden. Jeder solle das Recht  haben, den Weißenstein auf eigene Kosten zur Kriegs- und Fehdeführung einzusetzen. Dadurch entstandene Schäden am Besitz anderer Ganerben hatte  derselbe dann allerdings aus seinem eigenen Vermögen zu begleichen. Schließlich sollte keiner seinen Teil am Weißenstein, ohne Wissen der anderen  Mitbesitzer einem Dritten zum Zweck der Kriegs- oder Fehdeführung überlassen.  1497 stifteten die Nothaft eine Frühmesse in der Kirche zu Thumsenreuth, welche sie reichlich mit Grundstücken, Weihern und Zehnten dotierten. Der Früh-  messer hatte unter anderem die Verpflichtung, an Feiertagen zur Burg Weißenstein zu reiten um in der dortigen Burgkapelle Gottesdienst zu halten. Von der  Burgkapelle des Weißenstein soll übrigens auch - nach Aussage Johann Baptist Lehner - die heute noch erhaltene Sterbeglocke der Pfarrei Thumsenreuth,  Nothaft-Glöcklein genannt, stammen. Sie wurde, so berichtet die Überlieferung, nach der  Auffassung des Weißensteins im 16. Jahrhundert nach Thumsenreuth gebracht. War die Familie im 14. und 15. Jahrhundert darauf bedacht, die Herrschaft Weißenstein abzurun-  den und zu konsolidieren, so ist das 16. Jahrhundert geprägt von Güterteilungen und Verkäufen.  1541 wurde die Herrschaft Weißenstein zwischen den Brüdern Hans, Erasmus und Friedrich  Nothaft aufgeteilt. Das Gut Thumsenreuth teilten sich Hans und Friedrich Nothaft;  Erasmus Nothaft  bekam das Gut Krummennaab. Von der Burg Weißenstein erhielt jeder ein Drittel. Allerdings sind in  diesem Teilungsvertrag keine Klauseln enthalten, die direkt auf den Weißenstein Bezug nehmen,  etwa über Baukosten oder die Besetzung der Veste. Es ist deshalb anzunehmen, dass die alte Burg schon damals nicht mehr bewohnt und vielleicht schon dem Verfall preisgegeben war. Dies  umsomehr als Hans Nothaft in der Erbteilung den Weißenstein erhalten habe. “Er aber für großer  Lanweil wegen zum Weißenstein nit bleiben mögen vnd er hat dem Wurstel zu Poppenreuth, seinen Vnderthonen einen, außkaufft” um aus dessen Gut einen Rittersitz zu machen. Nun versuchte Hans  Nothaft die bisher zur Burg Weißenstein schuldigen Frondienste auf seinen Sitz in Poppenreuth zu  ziehen, wobei er allerdings auf den hartnäckigen Widerstand seiner Untertanen stieß. Die Ruine Weißenstein erhebt sich in 863,5 Metern über Meereshöhe im Bereich mehrerer Felsen-  klippen, die das östliche Ende des Steinwaldkammes markieren, bevor derselbe rund 150 Meter tief zum Geißberg hin abbricht. Die Entstehung der Burg hängt mit zwei Altstraßenzügen zusammen,  welche in unmittelbarer Nähe der Burg den Steinwald überquerten. Beide Trassen haben ihren  Ursprung vor der Flächenbesiedlung des Umlandes und bestanden mit Sicherheit bereits schon im 11. Jahrhundert, vielleicht auch schon im 10. Jahrhundert.  Der Warentransport wurde damals zu Fuß oder mit Hilfe von Saumtieren und zweirädrigen Karren abgewickelt. Außerdem hatten diese alten Wegeführungen  als Heerstraßen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Die damaligen Straßen mieden die sumpfigen Niederungen, welche in der Regel auf dem kürzesten Weg überquert wurden und verliefen gerne auf Höhenrücken, wobei sie nicht selten wenige Meter unterhalb der Gebirgskämme entlang liefen. So führte auch  eine Verbindung des Kemnath-Creußener Beckens mit dem Egerer Becken über den Gebirgskamm des Steinwaldes. Diese kreuzte sich im Bereich des  Weißensteins mit einer aus Thrüringen kommenden, über das Fichtelgebirge und Waldershof in Richtung Weiden - Regensburg führenden Trasse.  Befestigungen entstanden bevorzugt dort, wo sich Altstraßenrouten trafen, oder wo es galt Flußläufe, sumpfige Niederungen oder steile Steigungen zu  überwinden. Die Burgbesatzungen waren dann nicht nur für die Sicherheit der Reisenden, sondern auch für die Stellung von Vorspannvieh und ähnlichem  zuständig. Solche Tätigkeiten stellten nicht zu unterschätzende Einnahmequellen dar. Der Name “Weißenstein” selbst weist - nach Auskunft von Dr. Bernd  Thieser - auf die Lage an einer Binnengrenze hin. Er gehört einer jüngeren Namensschicht aus dem 12. oder 13. Jahrhundert an, wobei durch die Gründung  des Weißensteins ältere Strukturen um den “Berg Zwerenz” verdeckt und durch die sich bildende Herrschaft Weißenstein abgelöst wurden. Ferner ist auch die Polizei- und Schutz- und Verwaltungsfunktion, welche Burgen im Bereich ihrer Umgebung ausübten, wein wichtiges Kriterium. Obwohl der  strategische Wert dieser später oft fernab der Verkehrswege gelegenen Bauten im 15. Jahrhundert durch die Einführung von Feuerwaffen zu Bedeutungs-  losigkeit herabsank und diese auch den Ansprüchen bezüglich des Wohnkomforts nicht mehr genügten, wurden viele solcher Objekte noch längere Zeit unter-  halten, um sich die damit verknüpften Rechte, wie Gerichtsbarkeit oder Abgaben, zu erhalten. Wie schwierig es gewesen ist, solche Rechte auf andere Sitze zu  verlagern, zeigt die bereits zitierte Reaktion der Untertanen auf den Versuch Hans Nofthafts, die bisher zur Burg Weißenstein schuldigen Frondienste auf  seinen Sitz in Poppenreuth zu transferieren.  Verfasser: Harald Stark, Kulmbach
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